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Dario ruht sich am Kinderspital im Garten aus

Bäume nehmen Dario die Luft zum Atmen

Dario weiss, wie es sich anfühlt, nach Atem zu ringen. Die Angst vor dem Ersticken lässt ihn heute vorsichtig sein. Eine Notfallspritze trägt er immer bei sich.

10 Jahre ist es her, doch die Erinnerung lassen Julijana noch heute Tränen in die Augen steigen. Sie schätzte damals die Situation falsch ein und riskierte damit das Leben ihres Sohnes Dario.

Nach Atem ringend

Dario war erst drei Jahre alt. Mit einem rötlich geschwollenen Auge sass er auf der Patientenliege in einer Arztpraxis in der Nähe seines Wohnorts. Der Arzt vermutete eine Allergie, schloss aber auch einen gewöhnlichen Infekt nicht aus. Nur Stunden zuvor hatte Dario fröhlich im Sandkasten getobt. Der Arzt verschrieb dem Jungen eine Salbe, doch verschaffte diese keine Linderung. Am nächsten Tag sah das Auge schlimmer aus, zudem keuchte Dario leicht. «Der Kinderarzt wimmelte uns dieses Mal aber ab. Ich sei zu fürsorglich», erinnert sich Julijana. Ein weiterer Tag verging ohne absehbare Besserung. Im Gegenteil: Dario atmete schwerer, rang teilweise nach Luft. Julijana brachte ihren müden Jungen deshalb an die frische Luft und beging damit einen grossen Fehler. Kurz danach nickte Dario in ihren Armen ein. Scheinbar.

Schwerer Asthmaanfall bringt Aufklärung

Dario war in Ohnmacht gefallen, er hatte einen schweren Asthmaanfall erlitten. Mit der Ambulanz wurde er in die Notfallstation des Kinderspitals Zürich gefahren, sein Puls kaum spürbar. Hier erhärteten verschiedene Tests den anfänglichen Verdacht auf ein allergisches Asthma bronchiale. Zudem zeigte sich, dass Dario an einer Vielzahl von Allergien litt; er vertrug keine Nüsse, reagierte auf Hausstaub, verschiedene Baumpollen, Gräser und Latex. Seine Haut juckte wegen Neurodermitis, einem Ekzem. Die Diagnose brachte Gewissheit und gab der Familie die Chance, ihr Leben neu zu ordnen.

Vertrauen ist gut, Kontrolle besser

«Wir stellten die Ernährung um, Nüsse wurden verbannt, auch Bananen kamen nicht in Frage.» Auf die gelbe Frucht reagierte Dario nämlich allergisch. Teppiche, Vorhänge und Kuscheltiere wurden entsorgt, sie sammelten zu viel Staub auf sich. Spezielle Fenstereinsätze wurden installiert, die Pollen nicht durchliessen. Die akute Neurodermitis bekämpften sie am Kinderspital mit Medikamenten, zusätzlich erhielt Dario ein Asthmaspray und ein Notfallset.

Während der Pollensaison verbrachte die Familie die Freizeit drinnen, tauchte im Hallenbad oder spazierte im Nadelwald. Auf den Spielplatz durfte Dario während dieser Zeit nur, wenn es regnete. «Er litt lange an Angstzuständen, wollte mich ständig in seiner Nähe», sagt Julijana. Denn Dario vertraute seiner Mutter. Er wusste, dass sie alles Erdenklicke unternehmen würde, damit er nie mehr in Atemnot geriet. Dario trägt immer eine grüne Notfallbox mit sich, in dieser bewahrt er eine Adrenalinspritze, sollte er mal stark allergisch Nahrungsmittel reagieren, zudem Augentropfen, verschiedene Tabletten und Anleitungen, wie diese anzuwenden sind. «Lehrer, Fussballtrainer und andere Aufsichtspersonen haben wir instruiert, damit sie im Notfall schnell reagieren können», erzählt Julijana. Glücklicherweise musste die Adrenalinspritze bisher nicht verwendet werden, Dario und seine Mutter haben alles gut unter Kontrolle.

Notfall-Süssigkeiten an Geburtstagen

Fährt Dario ins Skilager, nimmt Julijana mit den Aufsichtspersonen und Köchen früh Kontakt auf. Sie backt auch für Dario vor: «Die Köche können nicht garantieren, dass ihre Backwaren keine Spuren von Nüssen enthalten.» Doch bereits geringste Mengen davon sind für Dario gefährlich, lassen seine Atemwege in weniger als fünf Minuten zuschwellen. Julijana sagt weiter: «Ich denke immer einen Schritt voraus: Die Ambulanz kann die Ski-Hütte nicht zeitig erreichen, nur die Rega. Darauf mache ich die Lehrer aufmerksam.» Bringt ein Kind einen Geburtstagskuchen in die Schule, verzichtet Dario häufig darauf. Stattdessen bedient er sich am «Notfall-Süssen», so nennt er die Schublade, in welcher seine Lehrerin Naschereien aufbewahrt, die Dario bei solchen Gelegenheiten essen darf.

Der Weg zur Normalität

Zwei Mal täglich inhaliert Dario und hat sein Asthmaspray während des Fussballtrainings griffbereit. Fussball ist seine grosse Leidenschaft. Fast wäre er im Fussballklub GC aufgenommen worden, doch setzten ihm die Pollen im entscheidenden Training zu, er geriet ausser Atem. Dario ist weiterhin auf hochdosierte, kortisonhaltige Medikamente angewiesen, besonders während der Pollensaison. Doch lässt er sich seit einigen Jahren gegen vereinzelte Pollen-Allergene desensibilisieren. Diese Therapien helfen ihm, sie mildern seine allergischen Reaktionen. Auch bezüglich der Nahrungsmittelallergien hat sich die Situation gebessert. Seine Mutter Julijana sagt: «Heute darf er Haselnüsse, Mandeln und Bananen essen. Das stimmt uns für die Zukunft zuversichtlich.»