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Zürcher Stadtpolizisten auf Motorrad im Jahr 1958

Die Polizei, dein Freund und Blutspender

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden im Kinderspital Zürich immer öfter Bluttransfusionen vorgenommen. Das Spenderblut kam dabei häufig vom Spitalpersonal – oder von der Stadtpolizei Zürich.

Das Kinderspital hatte sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts als Fachzentrum für Kindermedizin und -chirurgie etabliert und war als solches weit über die Grenzen hinaus bekannt. Immer häufiger behandelte man im Spital besonders schwer erkrankte Kinder. Auch nahm die Zahl der verunfallten Kinder zu. So steht im Jahresbericht von 1951, dass kaum ein Tag vergehe, ohne dass ein auf der Strasse verunfalltes Kind ins Kinderspital gebracht werde. Die ausgedehnteren Freizeitmöglichkeiten und die Massenmotorisierung hinterliessen ihre Spuren.

Stadtpolizisten spendeten Blut in Notfällen

Entsprechend häuften sich die Fälle, bei denen erkrankte oder verletzte Kinder auf Bluttransfusionen angewiesen waren. Das Spenderblut bei Notfällen kam in der Regel vom Personal des Kinderspitals. Jedoch waren Spender mit Rhesusfaktor negativ rar.*  Deshalb rekrutierte man vornehmlich Zürcher Stadtpolizistinnen und -polizisten als Blutspender. War bei der Operation eines jungen Patienten dringend eine Bluttransfusion vonnöten, bot das Kinderspital einen Polizisten mit passender Blutgruppe und Rhesusfaktor auf. Dieser fuhr dann sofort mit dem Motorrad ins Kinderspital.

Blutspendendienst des SRK

Heute stellt der Blutspendendienst des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) die Blutversorgung in der Schweiz sicher. Die Anzahl der Blutspenden geht in der Schweiz zurück, aber auch deren Bedarf. Denn Spitäler wie das Kinderspital Zürich setzen auf ein sogenanntes «Patient Blood Management» (Mehr dazu: Forschungsmagazin 2017, S. 10-11). Ein Patient erhält heute nur so viel Blut, wie gerade nötig ist. Im Rahmen von grossen Operationen oder bei einer Verletzung mit grossem Blutverlust analysiert das Behandlungsteam allfällige Gerinnungsstörungen des Patienten und gleicht diese medikamentös aus. Damit kann der Blutverlust stark reduziert werden.

Stadtpolizei an Blutspendenaktion

Jährlich sind etwa tausend Patienten des Kinderspitals auf Fremdblut angewiesen. Noch heute spenden zahlreiche Zürcher Stadtpolizistinnen und -polizisten ihr Blut, allerdings nicht mehr direkt im Kinderspital, sondern im Rahmen von koordinierten Blutspendenaktionen, an denen sich auch andere Departemente beteiligen.

 

* Beim Rhesusfaktor handelt es sich um ein wichtiges Merkmal im Blutgruppensystem, das erblich vorbestimmt und entweder positiv oder negativ ist. Heute sind 85 Prozent der Schweizer Bevölkerung Rhesus-positiv.

 

Lesetipps:

Mein Blut fliesst jetzt in fremden Adern“ von Martin Amrein, NZZ am Sonntag, 30.9.2017

„150 Jahre Kispi Zürich“ von Matthias Wiesmann, 2018