Jetzt spenden!
Federico auf dem Patientenbett

Wegen Krebs plötzlich im Schleudergang

Mit sechs Jahren entdeckte Federico seine Leidenschaft fürs Kochen. Nur so konnte er seinen ungeheuren Hunger stillen. Diesen lösten starke Medikamente aus, die der krebskranke Junge einnahm.

 

«Wir vermuteten Eisen- oder Vitaminmangel», erinnern sich Federicos Eltern Luisa und Filippo, als sie ihren damals 5.5-jährigen Sohn zur Kinderärztin brachten. Er fühlte sich müde, verspürte keinen Appetit, auf seinem Körper bildeten sich bläuliche Flecken, seine Nase blutete. Die Kinderärztin bestätigte, dass die Blutwerte schlecht waren. Am selben Abend stellten die Spezialisten im Kinderspital dann die Diagnose: Leukämie – Blutkrebs!

 

Keine Zeit zum klar Denken

«Es war ein Schock», sagt Luisa. Von einer Sekunde auf die andere stand die Welt Kopf. «Wir fühlten uns wie in einer Waschmaschine – im Schleudergang», erklärt der Vater Filippo. Nach ersten Gesprächen mit der behandelnden Ärztin Dr. Nicole Bodmer waren sich die Eltern jedoch sicher: «Unser Sohn war in besten Händen.» Hier würde man alles unternehmen, um Federico wieder gesund zu machen.

 

Ein bisschen Normalität

Rasch leitete man bei Federico eine Chemotherapie ein. Die ersten zwei Wochen verbrachte der Junge auf der Onkologiestation. Danach durfte er wieder nach Hause, musste aber regelmässig für medikamentöse Infusionen ins Kinderspital kommen.

Zuhause warteten seine beiden Schwestern auf ihn. Sie waren es, die die Eltern aus der Ausnahmesituation zurück in die Normalität holten und einen geregelten Alltag forderten. «Wir meisterten irgendwie einen Tag nach dem anderen. Familie, Freunde, auch Federicos Schule unterstützten uns dabei», sagt Luisa. Wenn Federico mal mehrere Tage im Spital verbringen musste, wich sie ihm tagsüber nicht von der Seite, abends übernachtete Filippo bei ihm.

Federico: ein Kämpfer und Koch

«Unser Sohn gab uns Mut», sagt Filippo. Er liess tapfer die Behandlungen über sich ergehen, fürchtete die Spitalbesuche und Infusionen nicht. Mit seinen knapp sechs Jahren hatte er verstanden, dass die Situation ernst und die Behandlung lebenswichtig waren.

In den ersten Monaten der Chemotherapie entwickelte Federico einen starken Appetit. Ursache dafür war das hochdosierte Kortison, welches ein wichtiger Bestandteil der Chemotherapie gegen die Leukämie ist. «Mit dem Appetit wuchs auch sein Interesse am Kochen», sagt seine Mutter: «Er blätterte in meinen Kochbüchern, schaute Kochsendungen im Fernsehen und auf Youtube.» Er begleitete sie beim Einkaufen und stand auch selbst häufig am Herd. «Einmal bereitete er uns sogar ein leckeres Tintenfischgericht zu.» Federico war geplagt von Hunger; früh morgens schon verlangte er nach Eiern, Gipfeli und Mozzarella. Kurz darauf nach Glacé. In dieser Zeit nahm er stark zu. Sein Körper und Gesicht schwollen an.

 

Eine gute Nachricht nach der anderen

Verschiedene medizinische Tests wie Blutbildanalysen und Knochenmarkuntersuchungen bestätigten, dass Federico sehr gut auf die Chemotherapie ansprach. Nach den ersten sieben Monaten der Intensivtherapie folgten weitere 17 Monate der sogenannten Dauertherapie. Diese hatte zum Ziel, das Rückfallrisiko zu minimieren.

 

Schöne Erinnerungen ans Kinderspital

«Natürlich hätten wir auf diese Krankheit gerne verzichtet. Doch hat sie uns auch viele unvergesslich schöne Momente beschert», erzählen die Eltern. Sie erinnern sich an ruhige Stunden am Spitalbett, die sie mit Federico verbrachten, Lego spielten, Filme anschauten, Witze erzählten und redeten. «Im turbulenten Alltag mit Schule, Hobbys, Schwestern, Haushalt und Arbeit wären solche persönlichen Momente selten möglich gewesen.»

Einmal wurde auch Federicos ältere Schwester ins Spital eingeladen. Eine Pflegefachfrau erklärte ihr dann geduldig, was ihr Bruder jeweils bei seinen Spitalbesuchen so erlebte. «Gerade die Pflegefachkräfte trugen viel dazu bei, dass wir alle uns im Kinderspital wohl fühlten», sagt Filippo: «Sie zeigen viel Mitgefühl für die Kinder und auch für uns Eltern.»

Auf der Onkologiestation lernte Federico andere krebskranke Kinder kennen. «Der Austausch mit ihnen und mit ihren Familien hat uns geholfen.» Die Betroffenen haben sich gegenseitig Mut zugesprochen, gelacht und getrauert. Freundschaften sind entstanden.

 

Die Narbe bleibt

Federico geht heute in die zweite Klasse. Seine Haare und Augenbrauen sind ihm nachgewachsen, sein Übergewicht hat er verloren. Auch vom Krebs ist keine Spur mehr im Blut. Eine drei Zentimeter lange Narbe trägt er über seinem Herzen. Hier war ein Port einoperiert; ein Anschluss, über welchen die Infusionen angehängt wurden. Für Kontrollen besucht er regelmässig das Kinderspital.

«Natürlich hat uns die Erkrankung unseres Sohnes verändert», sind sich die Eltern einig. Viele Alltagsprobleme verlieren an Bedeutung: «Wir haben gelernt, was wirklich zählt.»