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Pflegefachfrau hält Baby im Arm

«Auf Reisen habe ich gelernt, auf Ressourcen zu achten»

Mit dem Velo nach Albanien und dem Camper nach Marokko: Die 21-jährige Leia Kälin erzählt, wie sie von ihren Reisen im Beruf profitiert, was die Besonderheiten der Säuglingsstation sind – und warum sie eigentlich nie in die Pflege wollte.

Autorin: Gabriella Alvarez-Hummel

 

Mein Mami ist Pflegefachfrau. Darum war für mich immer klar: Pflege? Auf keinen Fall. Auf der Suche nach einer Ausbildung nach der Schule habe ich es mir neben vielem anderen dann trotzdem angeschaut. Und es hat mir gefallen. Ich merkte: Der Pflegeberuf ist sehr vielseitig. Geschnuppert habe ich auch auf der Psychiatrie oder der Kardiologie, aber ich habe mich für die Lehre im Kinderspital beworben. Da ist es farbiger. Es wird laut gelacht und geweint. Es läuft etwas. Bei Kindern muss man kreativ sein, damit sie mitmachen. Das hat mir zugesagt.

 

Auf Reisen lernt man fürs Leben

Nach dem Lehr- und Berufsmaturitätsabschluss bin dann ein paar Monate auf Reisen gegangen. Zuerst mit dem Velo nach Albanien. Dann mit dem Camper nach Marokko. Dabei habe ich vieles gelernt, das mir jetzt auch bei der Arbeit nützlich ist. Etwa, nicht so voreingenommen zu sein. Wenn man ehrliches Interesse zeigt, sich Zeit nimmt und zuhört, kriegt man Offenheit zurück. Dadurch erfährt man Dinge, die sonst nie ein Thema gewesen wären. Zum Beispiel hat mir im Kispi kürzlich ein brasilianisches Mami erzählt, dass die Kleinkinder in Brasilien von Beginn weg mit Bohnen gefüttert werden. Hier schaut man zuerst, ob sie Zucchini oder Rüebli mögen. Das fand ich einfach interessant.

 

Die Säuglingsstation ist körperlich weniger anstrengend

Auf Reisen habe ich ausserdem gelernt, auf Ressourcen zu achten. Einerseits, weil auf dem Velo nicht viel Platz ist – und andererseits, weil Menschen in vielen Orten der Welt mit viel weniger klarkommen müssen als wir. Das macht Eindruck. Und dann finde ich es manchmal doof, wenn wir hier im Spital Material aus Hygienegründen wegwerfen müssen. Auch wenn ich die Gründe dafür verstehe.

Heute arbeite ich auf der Säuglingsstation. Das finde ich spannend. Säuglinge können eben nicht so gut reden und man muss herausfinden, was sie wollen und brauchen. Deshalb ist das Gespräch mit den Eltern sehr wichtig. Diese Kombination gefällt mir. Es ist auch körperlich weniger anstrengend. Das ist ein grosser Unterschied zur Erwachsenenpflege. Man kann auch mal mit einem Kind auf dem Arm zu einem anderen hingehen und schauen, ob alles in Ordnung ist und so das Team unterstützen. Und ja, die Kleinen sind auch einfach sehr herzig.

Vom Bauernhaus an die Hochschule

Alles hat seine Vor- und Nachteile. Die Schichtarbeit fällt mir manchmal etwas schwer. Mein Freundeskreis ist wie ich noch recht jung und wenn ich hintereinander Nachtschichten habe, sehe ich meine WG-Mitbewohner kaum. Wir leben zu fünft in einem alten Bauernhaus im Zürcher Oberland mit Hühnern und allem drum und dran – das ist ziemlich lässig. Aber dafür kann ich dann mal ausschlafen oder mit einer Kollegin, die an der Uni studiert, brunchen.

Dieses Jahr beginne ich das dreijährige Studium zur diplomierten Pflegefachfrau. Vor allem auch, weil mich die medizinal-technische Seite des Berufs fasziniert. Was ich mir wünsche? Da geht es mir wohl ähnlich wie vielen in diesem Beruf: angemessene Löhne, Arbeitsbedingungen und die Anerkennung der Fähigkeiten des Pflegepersonals. Als Diplomierte hat man studiert, man verfügt über ein enormes Fachwissen und es wäre schön, wenn dieses in der Praxis durch mehr Verantwortung ausgeschöpft werden kann.