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Simon ist zurück im Kinderspital – aber nicht als Patient

Simon überlebte als Jugendlicher eine akute Leukämie. Als junger Erwachsener kommt er nun zurück ins Kinderspital, um ein Pflegepraktikum zu absolvieren.

 

Acht Jahre ist es her. Damals wurde bei Simon eine akute Leukämie diagnostiziert. Nach einjähriger Chemotherapie war die Hoffnung gross, dass nun alles überstanden war. Es kam anders.

«Über meinem linken Auge ertastete ich einen Klumpen», erzählt Simon. Nach einer MRI-Untersuchung und Biopsie war klar: Der Blutkrebs war wieder zurück. Erneut leiteten die Ärztinnen und Ärzte eine intensive Therapie ein: Chemotherapie und Bestrahlung des «Geschwürs». Dieses Mal erhielt Simon zusätzlich Stammzellen seines Bruders transplantiert, die ihm das Leben retteten.

 

Respekt von Schulfreunden

Wegen der Krankheit verpasste Simon gleich zweimal die Aufnahmeprüfung zum Gymnasium. Später musste er ein Sekundarjahr wiederholen. Doch gab er sich nicht geschlagen, schloss danach über Umwege das Kurzgymnasium ab. «Mit meiner Krankheit ging ich immer offen um», sagt Simon. Seine Schulkameraden zeigten sich neugierig. «Sie hatten ein ehrliches Interesse, also erzählte ich ihnen von meinen Erlebnissen. Sie hatten Respekt davor, was ich alles durchgemacht hatte.»

 

In Vergessenheit geraten

Heute sagt Simon, dass die Erinnerungen an die Krankheit zunehmend verblassen – «was sicher auch sein Gutes hat.» Doch einige besonders schwierige Momente werden wohl nie vergessen gehen: Etwa die sechs Wochen in der Isolationskabine, die er nicht verlassen durfte. Die Rückkehr des Tumors nach der ersten Therapie. Die ausgefallenen Haare, die nie mehr richtig nachwuchsen. Die Hormone, die er später wegen Wachstumsstörungen einnehmen musste.

 

Hinter den Kulissen des Pflegeberufs

Trotz dieser Erinnerungen führte Simons Weg erneut zum Kinderspital, wo er seit September ein dreimonatiges Praktikum in der Pflegehilfe absolviert. «Mich hat die Pflege schon damals fasziniert. Ich wollte deshalb unbedingt hinter die Kulissen blicken.» Und so unterstützt er heute die Pflegefachkräfte: «Ich räume Medikamente und Geräte ein, richte Patientenzimmer her, beziehe Betten neu, bringe den Kindern das Essen, fahre sie zu den OP-Räumen und beschäftige sie, wenn ihre Eltern mal eine Pause brauchen.» Die Arbeit gefällt ihm. Die Kinder strahlen trotz ihrer Krankheiten auch viel Freude aus: «Vor Kurzem fragte mich ein Kind, wieso ich meine Arme angemalt oder so grosse Ohren habe», erzählt Simon und lacht dabei. Nur die Schichtarbeitszeiten setzen ihm etwas zu. «Im Gymi musste ich nie um 7 Uhr bereitstehen.»

 

Nicht traumatisiert, aber verändert

Was Simon nach dem Praktikum unternehmen will, steht nicht in Stein gemeisselt. «Vielleicht hänge ich ein weiteres Praktikum im Laboratorium an und verreise später ins Ausland», meint er nur dazu. Ab Herbst 2020 wird es konkreter: Er möchte Biologie studieren und sieht seine Zukunft in der Forschung. Ob seine Krankheitsgeschichte ausschlaggebend dafür ist? «Ich bin nicht traumatisiert wegen meiner damaligen Erlebnisse, doch hat der Krebs meine Entwicklung sicher mitgeprägt. Beispielsweise zögere ich heute weniger: Wenn mich etwas interessiert, dann packe ich es an.»